Seit Dezember 2005 sponsert die Ökorenta eine Initiative des NABU-Ostfriesland zur Renaturierung von Hochmoorflächen. Diese Ökosysteme, die noch vor 100 Jahren weite Landstriche Ostfrieslands bedeckten, sind zu einem großen Teil verloren gegangen. Durch den gezielten Einsatz von Heidschnucken sollen nun die noch erhaltenen Moorflächen gepflegt und vor weiterer Austrocknung bewahrt werden.
goldwert: Frau Arlt, Hochmoorpflege mit Heidschnucken, das klingt für einige wie die Wiederbelebung von Schäferromantik. Tatsächlich steht dahinter ein bedeutendes Naturschutzthema. Welches Anliegen verfolgt der NABU mit diesem Projekt?
Arlt: Schafherden inmitten blühender Heideflächen gehörten einst tatsächlich in die ostfriesische Landschaft. Heute ist von der Schäferromantik allerdings sehr wenig übrig geblieben. Intakte Hochmoore gibt es in Ostfriesland gar nicht mehr, allenfalls finden sich naturnahe Hochmoorreste mit Bentgras und Heide. Aber auch diese Flächen sind sehr wertvoll. Die Offenhaltung dieser Gebiete bedarf eines hohen Arbeitsaufwandes, was dazu führt, dass sie eben nicht mehr gepflegt werden und somit zusehends verbuschen. Wir möchten mit der Schafherde den Offenlandcharakter dieser Flächen erhalten. Die Herde besteht aus Schafen der Rasse „Weiße Gehörnte Heidschnucke“, die sehr genügsam und somit für die Moorpflege auch gut geeignet sind. Diese Rasse, die früher für Ostfriesland typisch war, ist heute vom Aussterben bedroht. Das Projekt dient also zugleich der Erhaltung wildlebender Arten und einer alten Haustierrasse.
goldwert: Herr Goldenstein, warum engagiert sich die in Hilden bei Düsseldorf ansässige Ökorenta für ein Naturschutzprojekt in Ostfriesland?
Goldenstein: Die Frage ist ebenso berechtigt wie einfach zu beantworten. Ich bin gebürtiger Ostfriese und fühle mich auch nach vielen Jahren, die ich in Hamburg, im Rheinland und an anderen Orten unseres Landes gelebt habe, nach wie vor meiner alten Heimat stark verbunden. Das Projekt des NABU ist aus unserer Sicht vorbildhaft, denn es dient nicht nur dem Umweltschutz, sondern es hat auch für die Region interessante wirtschaftliche Aspekte. Diese Allianzen aus Ökonomie und Ökologie sind es - allerdings auf der Ebene der Finanzdienstleistungen - die bei der Ökorenta im Mittelpunkt stehen. Wenn Sie so wollen, illustriert das Projekt des NABU auf sehr ansprechende Weise unsere Unternehmensphilosophie.
goldwert: Welche wirtschaftlichen Möglichkeiten sind denn konkret mit dem Projekt verbunden?
Arlt: Wir bauen die Vermarktung von Fleisch, Wolle, und Fellen auf. Ähnlich wie in der Lüneburger Heide oder der Diepholzer Moorniederung möchten wir die Heidschnucke sozusagen als ostfriesische Spezialität etablieren. Dazu gehört zum einen die Direktvermarktung und die Kooperation mit Bioläden und vor allem Gastronomen. Aber auch für den Tourismus ist das Projekt interessant. Zum einen hat der Erhalt der Landschaft eine wichtige touristische Bedeutung und zum anderen haben wir bisher schon einige Veranstaltungen durchgeführt, bei denen die Herde im Mittelpunkt stand. Zum Beispiel Schafschuren und Schaffeste. Mit dem Moormuseum in Moordorf und den daran angrenzenden Flächen haben wir die Möglichkeit, Besuchern einen Eindruck von der einstigen Heidelandschaft zu vermitteln. Ich denke, dass wir im Hinblick auf die ökonomischen Aspekte noch viel aus anderen Regionen wie speziell der Lüneburger Heide lernen können.
goldwert: Und worin liegt der ökologische Nutzen. Welche Aufgaben hat das Ökosystem Hochmoor?
Arlt: Moore sind einmalige Lebensräume für viele mittlerweile selten gewordene Tier- und Pflanzenarten. Dazu gehören Sonnentau, seltene Orchideen und u.a. auch die Kreuzotter. Zu unseren Flächen gehört zum Beispiel ein Stück Hochmoorgrünland mit ca. 400 blühenden Orchideen. Als riesige C02 - Speicher haben Moore vor allem eine weltweite klimarelevante Bedeutung. Die Trockenlegung und der Torfabbau, sowie Moorbrände führen zu einer enormen CO2- Freisetzung. Daneben sind Moore ein bedeutender Süßwasserspeicher. Die Erhaltung dieses Naturschatzes ist insofern nicht nur in Deutschland ein Thema, sondern weltweit.
goldwert: Damit liefern Sie ein Stichwort für die Ökorenta. Herr Goldenstein, der Klimaschutz ist ja ein ausgewiesenes Thema für die Kapitalanlageprodukte Ihres Hauses.
Goldenstein: Wir stehen vor großen gesellschaftlichen und ökologischen Aufgaben wie fortschreitendem Klimawandel und Massenarbeitslosigkeit. In einem solchen Umfeld steigt in der Gesellschaft das Bedürfnis nach umweltbewusstem Handeln und sozialer Absicherung. Wir beobachten, dass Unternehmen, die diesen Werten Rechnung tragen, von den Verbrauchern mehr und mehr geschätzt werden. Für unsere Finanzdienstleistungsbranche bedeutet das: Investoren wollen mit ihren Engagements zunehmend diese immateriellen Werte unterstützen, ethisch-ökologische Produkte verfügen daher über eine enorm hohe Akzeptanz in der Gesellschaft. Glücklicherweise setzt sich die Erkenntnis, dass die Wirtschaft auf lange Sicht nur in einer intakten Welt prosperieren kann, in immer weiteren Kreisen durch.
goldwert: Frau Arlt, können Sie in Bezug auf Ihre Erfahrungen mit der Öffentlichkeit diese Tendenz bestätigen?
Arlt: Absolut. Es besteht ein hohes Interesse in der Öffentlichkeit an unserer Arbeit. Speziell auch das Projekt, über das wir hier sprechen, wird durch eine regelmäßige, positive Presse gefördert. Ich freue mich vor allem auch über das Engagement unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter, die unsere Aktionen unterstützen. Das Bewusstsein der Menschen für den Erhalt der Landschaft und die Pflege der Tiere ist bei Vielen vorhanden.
goldwert: Herr Goldenstein, die Ökorenta hat sich zur weiteren Förderung des NABU- Projektes eine ansprechende Aktion einfallen lassen. Sie bewirbt Heidschuckenaktien, mit deren Erwerb der Käufer gewissermaßen "Anteilseigner" der Schafherde wird.
Goldenstein: Wir möchten unseren Kunden und allen Interessierten auf eine zum Schmunzeln anregende Weise ein ernstes Thema nahe bringen und darauf hinweisen, dass wir alle - die Wirtschaft wie jeder Einzelne - gefordert sind, am Erhalt einer funktionsfähigen Welt mitzuwirken. Dass wir dafür als Medium eine Aktie gewählt haben, ist für einen Finanzdienstleister ja nicht ungewöhnlich. Mit einem Beitrag von 25 Euro können Interessenten Heidschnucken-Aktionäre werden. Die Ökorenta unterstützt jeden Kauf durch 25 Euro. Die 50-Euro-Aktien werden den Aktionären als originale Anteilsscheine ausgehändigt und dokumentieren seine Patenschaft.
goldwert: Wofür wird der NABU die Spendenbeiträge in einzelnen verwenden?
Arlt: Wir möchten das Projekt in den kommenden Jahren weiter ausbauen, um die verschiedenen Standorte optimal zu unterhalten. Dazu gehört die Entwicklung von Pflegekonzepten, der Ausbau der Schafherde und der Aufbau der Vermarktung. Wir wünschen uns, dass sich viele Ostfriesen für die Heidschnuckenaktie interessieren. Durch die Ökorenta können wir für unser Projekt nun sogar auf überregionale Resonanz offen.
goldwert: Wo und wie können Interessenten denn nun Heidschnuckenaktionäre werden?
Arlt: Der Verkauf der Heidschnuckenaktie hat im Jahr 2006 im Moormuseum in Moordorf im Herzen Ostfrieslands begonnen. Wer sich über die Herde informieren möchte, ist herzlich dazu eingeladen, mal vorbei zu schauen.
Goldenstein: Wir haben vor, das Projekt noch lange zu begleiten. Insofern können die Heidschnucken-Aktien nicht nur bei dieser Aktion in Moordorf, sondern laufend über unsere Adresse in Hilden bezogen werden. Auf unserer Website www.oekorenta.de finden Interessenten alles Wissenswerte.
goldwert: Frau Arlt und Herr Goldenstein, danke für das Gespräch.