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Wiesenvogelschutz
 
Ohne die Stäbe ist es nur aus nächster Nähe zu erkennen:

Gelegeschutz für Wiesenbrüter

Bereits im zeitigen Frühjahr besiedeln verschiedene Wiesenvögel wie Kiebitz, Uferschnepfe, Rotschenkel und Austernfischer die weiten Grünlandgebiete. Für die zunehmende Intensivierung in der Landwirtschaft zahlen diese Tiere den Preis. Durch frühes Walzen, Schleppen und Güllen, sowie das Ausmähen der Jungvögel infolge des frühen ersten Grasschnittes gehen unzählige Nester verloren. Bundesweit sind daher fast alle Wiesenvögel stark gefährdet und ihre Bestände rückläufig. Seit einigen Jahren arbeitet der NABU daher in einigen Gebieten eng mit der Landwirtschaft zusammen und praktiziert einen aktiven Gelegeschutz. Dabei werden die Gelege aufgesucht und für den Landwirten durch kleine Stöcke sichtbar gemacht, so dass er die Nester bei seinen Arbeiten umfahren kann. Geschlüpfte Jungvögel werden vor der Mahd auf Nachbarflächen vertrieben oder durch Randstreifen geschützt. Jedes Frühjahr sucht der NABU Ostfriesland daher freiwillige Helfer für die zeitaufwändige Nestersuche!

 
Gelegesuche mit Schulklasse, die ihre Klassenfahrt im April 2009 auf den NABU-Woldenhof gemacht hat.
 

Gelege- und Kükenschutzprojekt kann 2011 fortgesetzt werden

Das Projekt zum Schutz der Gelege und Küken von Wiesenvögel im Umfeld des Großen Meeres kann auch in 2011 fortgesetzt werden. Das wurde jetzt dem mit der Projektkoordination beauftragten NABU-Woldenhof durch die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Aurich mitgeteilt. Das im Jahr 2004 vom NABU Ostfriesland initiierte und in Kooperation mit dem landwirtschaftlichen Hauptverein und der Landwirtschaftskammer laufende Projekt geht damit in das siebte Jahr. Auch aufgrund des Drängens örtlicher Landwirte konnte das Projektgebiet um weitere 100 ha auf eine Gesamtgröße von 1556 ha erweitert werden. Gefördert wird das Gelege- und Kükenschutzprojekt am Großen Meer als eines von niedersachsenweit fünf in Vogelschutzgebieten liegenden Arealen unter Nutzung von Fördermitteln der Europäischen Union durch das Land Niedersachsen.

 

Anlass für das Projekt ist das europaweit festzustellende Zusammenbrechen der Bestände von Uferschnepfen, Kiebitzen, Rotschenkeln und Bekassinen. Trotz drastischer Bestandrückgänge auch in den ostfriesischen Vogelschutzgebieten beherbergen Gebiete wie das Vogelschutzgebiet "Ostfriesische Meere" immer noch national bedeutsame Populationen von Wiesenvögeln. Neben den herkömmlichen Methoden des Wiesenvogelschutzes wie das Fördern von nassen Wiesenbereichen oder die Nutzungsextensivierung durch Agrarumweltprogramme hat sich der Schutz von Gelegen und Küken in intensiv genutzten Grünlandgebieten als eine sinnvolle ergänzende Strategie zur Verbesserung des Vermehrungserfolges dieser Arten erwiesen. Im Jahr 2010 schützten die Bewirtschafter die gefundenen 178 Gelege mit 617 Eiern erfolgreich. Nur 19 Eier (3%) gingen durch Landwirtschaft verloren, weil die gefundenen und mit Stöckchen markierten Gelegen von Kiebitz, Uferschnepfe und Austernfischer umfahren wurden. Während die durchschnittliche Schlupfrate aller Wiesenvogelgelege bei 52% lag, war der Kiebitz von einer unterdurchschnittlichen und Uferschnepfe und Austernfischer von einer überdurchschnittlichen durch Bewirtschaftung und Fressfeinde verursachten Verlustrate betroffen.

 

Die Suche nach den Nestern organisierte der NABU überwiegend über beauftragte Ornithologen. Aber auch die auf den NABU-Woldenhof kommenden Schulklassen und ehrenamtliche MitarbeiterInnen des NABU Ostfriesland beteiligten sich an der Nestersuche. 17 Nester wurden von den Landwirten selbst gefunden und an den NABU gemeldet. "Bedenkt man, dass ohne Schutzmaßnahmen der überwiegende Teil der Gelege verloren gegangen wäre und ein Teil der Gelege ein Opfer von Fressfeinden wie Fuchs, Steinmarder und Wiesel wurde, ist die nachgewiesene Schlupfrate ein befriedigendes Ergebnis." hob Michael Steven, Leiter des NABU-Woldenhofs und der NABU-Regionalgeschäftsstelle Ostfriesland hervor.

 

Durch Mahdzeitpunktverzögerungen, kükenschonende Mahdmethoden und direkte Hilfen bei der Flucht der Küken durch die Bewirtschafter konnten auf 10 ha auch Kükenschutzmaßnahmen mit den Landwirten vereinbart werden.

 

Lohnen tut sich der Wiesenvogelschutz auch für die Landwirte. Folgende Honorierung kann gewährt werden*:

 

- 25 € für jedes erfolgreich geschützte Gelege

- 25 € für jedes vom Bewirtschafter selbst gefundene und geschützte Gelege

- 150 €/ha für verzögerten Mahdbeginn bis zum 15.6.

- 100 €/ha für verzögerten Mahdbeginn bis zum 1.6.

- 50 €/ha für die Schaffung von Fluchtstreifen mit verzögerter Mahd bis zum 15.6. und einer kükenschonenden Mahd (von innen nach außen, < 8 km/h)

- 10 €/ha für die Durchführung von Maßnahmen der Fluchthilfe (Anmähen am Vorabend der eigentlichen Mahd

- 40 € Mitmachprämie

 

* auf die Honorierung kann kein Anspruch abgeleitet werden. Sie sind freiwillig und können nur im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel gewährt werden.

 

In den Startlöchern für die kommende Wiesenvogelsaison sitzen die Mitarbeiter des NABU nun nach der Freigabe der Mittel durch das Land Niedersachsen. Es gelten die gleichen Förderrahmenbedingungen für die Landwirte wie im Vorjahr. Die Fördermöglichkeiten und die aktuell gültige Projektgebietskulisse hat der NABU Ostfriesland im Internet veröffentlicht (www.nabu-ostfriesland.de). Landwirte, die auf ihren Flächen selber nach den Gelegen suchen möchten, um die dafür zahlbare Finderprämie zu erhalten, sollten dies dem NABU Ostfriesland mitteilen. "Mit der systematischen Nestersuche werden wir jetzt in den nächsten Tagen beginnen." erklärte Michael Steven. Im April wird der NABU auch wieder eine Schulung zum Gelegeschutz anbieten. Interessenten können sich für eine Terminabstimmung auf dem NABU-Woldenhof (Tel. 04942-990394) melden.

Kulisse für den Gelege- und Kükenschutz am Großen Meer im Jahr 2011. Nur in diesem Gebiet geschützte Gelege können finanziell honoriert werden.
 
Ein Kiebitznest!

Der NABU-Ostfriesland und der Landwirtschaftliche Hauptverein (LHV) haben ein Handbuch für den praktischen Gebrauch erstellt. Dort werden die wichtigsten Vogelarten vorgestellt, ihre Nester und ihre Besonderheiten. Das Handbuch richtet sich an alle Landwirte und freiwilligen Helfer die im Gelegeschutz aktiv werden wollen. Die informative und toll bebilderte Broschüre erhalten Sie gegen eine Schutzgebür in Höhe von 5 € im NABU-Woldenhof oder in unserem   shop.

 

Am 14. April 2010 wird ein Gelegeschutz-Seminar für alle Interessierten stattfinden. Bitte melden Sie sich hierzu telefonisch unter 04942-990394 an!

 

Meister Adebar vor dem Aussterben

Noch 1922 gab es in Ostfriesland 222 Storchenpaare. Im Jahr 2003 war es noch genau drei besetzte Horste. Dem Weißstorch geht es in Ostfriesland sehr schlecht. Seine ehemals reichen Nahrungsgebiete sind entwässert. Hier findet er keine Frösche oder Heuschrecken mehr. Auch das dichte Netz von Hochspannungsleitungen und Straßen ist stets eine Gefahr für die Segelflieger.

 

Der NABU kümmert sich trotzdem intensiv um sein Wappentier. Die Horste werden von Freiwilligen gepflegt und überwacht. In Wiegboldsbur wurde die Riede renaturiert, um wieder mehr Nahrungsangebot für den Storch zu schaffen.


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